Einen Garten planen: Mit der Natur, nicht gegen sie

Ein Garten muss nicht perfekt geplant sein. Aber er sollte gut durchdacht sein.


Als ich vor zehn Jahren meinen ersten Garten plante, war mein Vorgehen noch ein anderes: Ich sah voller begeisterung einen Apfelbaum und nahm ihn mit.

Auch ein Strauch hatte es mir noch angetan und irgendwo würde sich für die beiden schon ein Plätzchen finden.
Heute würde ich das nicht mehr so machen.
Denn irgendwann habe ich verstanden: Ein Garten ist kein leeres Grundstück, das darauf wartet, möglichst vollständig bepflanzt zu werden.

Er ist ein kleines Ökosystem. Ein Zusammenspiel aus Boden, Pflanzen, Licht, Schatten, Wasser, Tieren und uns Menschen.
Mein Ziel ist deshalb ökologisches Gärtnern im Gleichgewicht mit der Natur.
Mit der Natur, nicht gegen sie.


Der Gartenplan: Nicht alles muss überall funktionieren


Leider gibt es keinen Gartenplan,

der auf jedes Grundstück gleichermaßen anwendbar wäre.
Und zum Glück!
Denn was wären wir ohne die Vielfalt unserer Pflanzenwelt?
Jeder Garten bringt seine ganz eigenen Voraussetzungen mit.

Die geografische Lage, der Boden, das Gelände, die Ausrichtung zur Sonne und die vorhandenen Pflanzen und Gebäude spielen eine Rolle.
Stehen bereits große Bäume auf dem Grundstück? Dann gibt es vielleicht schattige Bereiche, die ganz andere Möglichkeiten eröffnen als eine sonnige Fläche.
Eine Mauer kann Windschutz bieten und gleichzeitig Wärme speichern. Ein Gebäude wirft Schatten. Eine Senke sammelt Wasser. Eine Hecke schafft Lebensraum und kann gleichzeitig als Sichtschutz dienen.
All diese Dinge gehören für mich in die Planung.
Deshalb geht es nicht darum, möglichst viele schöne Elemente in einem Garten unterzubringen.

Viel wichtiger ist die Frage:
Was passt zu diesem Grundstück?
Hochbeete, Kräuterspiralen, Sonnenfallen, Totholzhaufen, Blumenwiesen, Sitzplätze oder ein Gewächshaus können wunderbare Bestandteile eines Gartens sein. Aber nicht jeder Garten braucht alles.
Die Kunst liegt darin, aus den vorhandenen Möglichkeiten eine sinnvolle Struktur zu entwickeln.


Warum die Bäume ganz an den Anfang gehören


Einen Punkt würde ich bei einer Neuanlage inzwischen immer besonders früh planen: die Bäume.
Wenn du die `Möglichkeit` hast, in einem Garten neu anzufangen/zu müssen, solltest du die Bäume direkt am Anfang in die Planung mit einbeziehen.
Denn du solltest immer bedenken, dass aus den kleinen Bäumchen, aus der Baumschule deines Vertrauens, irgendwann ein stattliche Bäume (bei mir sind es Halbstämme) werden.
Und plötzlich geht es nicht mehr nur darum, wo der Baum heute gut aussieht. Es geht darum, wo er in zehn, zwanzig oder noch mehr Jahren stehen wird.
Deshalb würde ich unbedingt empfehlen, die Bäume auf deinem Grundriss mit ihrer ausgewachsenen Größe einzuplanen.


Mein Garten auf einem Stück Papier


Vor Ort fiel mir das zunächst ziemlich schwer.
Wenn ich auf unserem Acker stand,wie wir liebevoll unseren Nutzgarten nennen, hatte ich durch meinen jeweiligen Blickwinkel immer nur einen Ausschnitt vor Augen. Die tatsächlichen Abstände und späteren Dimensionen konnte ich mir nicht ausmalen.
Dann erinnerte ich mich an einen Moment aus meiner Kindheit.
Ich saß bei meinem Papa auf dem Schoß und er hatte einen maßstabsgetreuen Plan meines Zimmers mit allen Möbeln angefertigt. Damals sogar auf Millimeterpapier.
Ich fand das absolut beeindruckend!
Auf einmal konnte ich mühelos verschiedene Kombinationen ausprobieren und bekam eine räumliche Vorstellung davon, wie mein Zimmer aussehen könnte.
Warum also nicht genau das mit unserem Garten machen?
Ich nahm mir einen Zettel und einen Stift und malte einen groben Grundriss unseres Ackers.

Dabei können vorhandene Strukturen sehr hilfreich sein.

Bei uns waren beispielsweise die Zaunfelder eine gute Orientierung:
10 Zaunfelder × 2,50 m = 25 Meter.
Oder du paust das Grundstück einfach über Google Maps auf ein Blatt Papier ab.
Es muss kein architektonisch perfekter Plan werden. Er soll vor allem dabei helfen, die Größenverhältnisse sichtbar zu machen.


Auf meinen Grundriss legte ich Kreise in der passenden Größenrelation.

Sie stellten die ausgewachsenen Kronen meiner zukünftigen Obstbäume dar.
Und plötzlich wurde vieles klarer.
Da ich unbedingt ein großes Hauptbeet mit einem kleineren, innenliegenden Wegesystem haben wollte; dass das Kernstück unseres neuen Nutzgartens bilden sollte; richtete ich dieses zuerst auf der mir zur Verfügung stehenden Fläche aus.
Parallel zu unserem Gewächshaus, das mein Mann bereits gebaut hatte.
Nun konnte ich meine „Baumkronen“ auf dem Plan immer wieder verschieben.
Mal hierhin, mal dorthin.
Und jedes Verschieben veränderte den gesamten Garten.


Dadurch konnte ich:
→ mir besser vorstellen, welches Gesamtbild die Anordnung ergibt und ob dadurch eher Ruhe oder Lebendigkeit entsteht.
→ sehen, wie ich die Bäume möglichst effizient anordnen kann, um viele Bäume pflanzen zu können, ohne dass sie mich später bei der Gartenarbeit behindern.
→ überlegen, wie sich der Schatten der ausgewachsenen Bäume mit anderen Elementen kombinieren und sogar sinnvoll nutzen lässt.


Gerade der letzte Punkt ist für einen ökologischen Garten besonders spannend.
Denn Schatten muss nicht automatisch ein Problem sein.
Er kann ein Gestaltungselement sein.
Unter einem Baum können später vielleicht Pflanzen wachsen, die mit weniger Sonne auskommen. Ein Schattenbereich kann an heißen Sommertagen zum angenehmen Aufenthaltsort werden. Und natürlich profitieren auch zahlreiche Tiere von Bäumen.


Acht Bäume für unseren Nutzgarten


Acht Bäume durften es werden.
Diese galt es nun auszuwählen.
Mit der Familie saßen wir also am Tisch und jeder durfte sich zwei Bäume wünschen.
Das macht mit Kindern besonders viel Spaß. Sie fühlen sich einbezogen und haben das schöne Gefühl, etwas entscheidendes mitbestimmen zu dürfen.
Bei unseren acht freien Obstbaumplätzen entschieden wir uns für:
– zwei Äpfel
– zwei Birnen
– einen Kirschbaum
– einen Pfirsichbaum
– einen Pflaumenbaum
– einen Aprikosenbaum
Die genaue Verteilung, welcher Baum später wo gepflanzt werden sollte, musste noch festgelegt werden.
Und dann …
Voilà!


Es stand ein Plan.
Es fühlte sich wahnsinnig gut an, eine genaue Idee zu haben und nicht einfach wild darauf loszurennen und irgendwo irgendeinen Baum hinzupflanzen.
Bevor du also losfährst und voller Übereifer Bäume kaufst; so wie ich es vor zehn Jahren noch gemacht habe; lohnt es sich, vorher ein bisschen Zeit in die Planung zu investieren.
Denn die Entscheidung für einen Baum ist eine Entscheidung für viele Jahre.
Und genau deshalb sollte sie sich auch langfristig gut anfühlen.


Die Grundstücksgrenze muss keine Grenze zur Natur sein

Naturhecke und Grundstücksbegrenzung


Möglichkeiten gibt es viele.
Eine Grundstücksbegrenzung muss nämlich nicht zwangsläufig aus einem klassischen Zaun oder einer schnurgeraden Hecke bestehen.
Gerade in einem naturnahen Garten kann eine Grundstücksgrenze viel mehr sein:
Lebensraum, Windschutz, Sichtschutz, Nahrungsquelle und Gestaltungselement zugleich. Rankhilfen können berankt werden. Beeren- und Naturhecken lassen sich hervorragend kombinieren. Und auch ein einfacher Zaun kann mit Pflanzen zu einer lebendigen Grenze werden.
Wenn ausreichend Platz vorhanden ist, würde ich immer versuchen, eine möglichst vielfältige Hecke anzulegen (dazu erzähle ich mehr im Artikel `Nützlinge förden`).
Statt einer einzigen Pflanzenart, der klassischen „grünen Wand“, können verschiedene heimische Sträucher eingebunden werden.
Das hat einen großen Vorteil: Die Hecke verändert sich im Laufe des Jahres.
Im Frühjahr blühen die ersten Sträucher. Im Sommer folgen weitere Blüten.

Später entstehen Früchte und Beeren. Im Herbst finden Vögel Nahrung und das dichte Geäst bietet Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.
Und auch für uns Menschen kann eine solche Hecke einiges bereithalten.
Holunder, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Kornelkirschen oder andere essbare Gehölze können nicht nur schön aussehen, sondern auch direkt in der Küche verwendet werden.
So wird aus einer Grundstücksgrenze plötzlich ein Teil des Gartens, der für viele verschiedene Lebewesen etwas zu bieten hat.


Eine Hecke darf wild aussehen, aber nicht ungeplant


Naturnah bedeutet für mich übrigens nicht, dass alles einfach wachsen muss, wie es gerade möchte.
Auch ein Naturgarten darf gestaltet sein.
Ich mag es, wenn eine gewisse Ordnung erkennbar bleibt und gleichzeitig genug Raum für die Natur vorhanden ist.
Eine Hecke darf unterschiedliche Höhen haben.

Pflanzen dürfen sich ihren Platz suchen.

Dazwischen können sich vielleicht einzelne Stauden oder Wildblumen entwickeln.
Es muss nicht alles akkurat und gleichmäßig sein.
Denn gerade die kleinen Unregelmäßigkeiten machen einen Garten lebendig.
Und dann kommt das Wichtigste: beobachten
Bei der Planung eines Gartens habe ich mit der Zeit noch etwas gelernt:
Man muss nicht alles sofort wissen.
Ein Garten darf sich entwickeln.
Manche Dinge funktionieren erst dann richtig, wenn man eine Saison lang beobachtet hat, wie Licht und Schatten tatsächlich wandern.
Ein Platz, der auf dem Papier sonnig aussieht, kann im Hochsommer plötzlich mehrere Stunden im Schatten liegen.
Eine vermeintlich geschützte Ecke kann sich im Winter als Windschneise herausstellen.
Und eine Stelle, die zunächst völlig uninteressant wirkt, kann sich plötzlich als perfekter Platz für eine bestimmte Pflanze erweisen.


Wo bleibt nach einem Regenguss das Wasser stehen?
Welche Stellen trocknen besonders schnell aus?
Wo summt und brummt es im Sommer?
Wo finden Vögel Nahrung?
Wo fehlt vielleicht noch ein geschützter Rückzugsort?
Und wo kann ich der Natur einfach ein bisschen mehr Raum lassen?

Alle diese Fragen können dir im Voraus helfen einen perfekt für dich und deinen Garten zugeschnittenen Ort zu erschaffen.


Ein Garten muss nicht nur für die Natur funktionieren


Bei aller Liebe zur Natur sollte der Garten natürlich auch für uns Menschen funktionieren.
Wir wollen dort arbeiten, ernten, sitzen, spielen, essen und uns aufhalten.
Deshalb denke ich inzwischen weniger in einzelnen Beeten und mehr in Gartenräumen.
Ein Bereich für Gemüse.
Ein Platz für Kräuter.
Ein Kompostplatz.
Und irgendwo eine kleine wilde Ecke, in der einfach einmal nichts „aufgeräumt“ wird.
Dabei müssen diese Bereiche gar nicht streng voneinander getrennt sein.
Ein Kräuterbeet kann an einen Sitzplatz grenzen.
Unter einem Obstbaum kann eine Blumenwiese wachsen.
Eine Hecke kann gleichzeitig Grundstücksgrenze und Lebensraum sein.
Ein Totholzhaufen kann am Rand des Nutzgartens liegen und trotzdem zu einem wichtigen Teil des gesamten kleinen Ökosystems werden.
Genau diese Übergänge finde ich besonders spannend.

Mit der Natur, nicht gegen sie


Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Erkenntnis bei der Planung eines Gartens:
Ein Garten ist niemals wirklich fertig.
Er wächst.
Er verändert sich.
Er überrascht uns.
Und manchmal zeigt er uns sogar, dass unsere ursprünglichen Pläne gar nicht so wichtig waren.
Für mich bedeutet ökologisches Gärtnern deshalb nicht, den Garten einfach sich selbst zu überlassen.
Es bedeutet vielmehr, mit der Natur zu arbeiten.
Zu beobachten, was bereits da ist.
Zu verstehen, welche Bedingungen ein Grundstück mitbringt.
Und dann so zu gestalten, dass Mensch und Natur darin ihren Platz finden.
Vielleicht müssen wir deshalb bei der Gartenplanung manchmal gar nicht zuerst fragen:

„Was möchte ich alles in meinem Garten haben?“
Sondern:
„Was ist bereits da und was kann daraus entstehen?“
Denn genau dort beginnt für mich ein Garten, der nicht nur schön aussieht, sondern wirklich lebendig wird und in sich funktioniert.